Meine Reise zurück nach Khelela

Meine Reise nach Kenia. Kurz, intensiv und voller Abenteuer

 

 

Einige Wochen sind nun vergangen, seit ich aus Kenia zurückgekommen bin. Einen Spinnenbiss und eine äußerst unangenehme Schmutzflechte hatte ich diesmal zu verzeichnen und jede Menge fehlenden Schlaf aber die positiven Ereignisse waren und sind kaum zu übertreffen. Ich konnte mehr als gedacht und gehofft umsetzen und wieder so viel mitnehmen. Privat und für unsere Arbeit vor Ort. Jedes Gespräch, jedes Erlebnis, ob positiv oder negativ hat mich tief berührt und mir mehr Kraft und Motivation gegeben, weiterzumachen. Gerne möchte ich mit diesem Bericht meine persönlichen Erlebnisse und das Ergebnis meiner Arbeit für Tumaini Outreach Kenya teilen.

 

 

Kurzer Rückblick

 

 

Es war 8 Monate her, seit ich das erste Mal in Kenia war. Ich hatte, nachdem ich meinen Job in der Anwaltskanzlei beendet hatte, mich voll und ganz auf die Arbeit in Afrika konzentriert. Ich persönlich arbeite hier nicht nur an den Hilfsprogrammen gemeinsam mit meinem Team vor Ort, sondern recherchiere und arbeite ebenso viel an den negativen Auswirkungen der Entwicklungshilfe in den letzten Jahren; an den Nebenwirkungen der „Mitleidsindustrie“ so wie ich es gerne nach dem Buch von Linda Polman, nenne. Nach einigen Monaten harter Arbeit wusste ich exakt wo wir aufgreifen sollten und was in Zukunft zu tun ist. Es wurde Zeit die Dinge mit meinem Team vor Ort zu besprechen und unser Programm zu starten, also flog ich mit den ersten Spenden erneut nach Kenia.

 

Die Reise nach Kenia

 

Angekommen in Nairobi, untergebracht in einem Schweigekloster erholte ich mich am 1. Tag nach einer sehr anstrengenden Reise von München über Istanbul bevor der Trip nach Bungoma weitergehen soll. Bis nach „Western Kenia“ Bungoma, sind es eigentlich nur rund 500 km. Aber diese 500 km sind teilweise so schwierig und gefährlich zu fahren, dass wir meist durchschnittlich 10 Stunden mit dem Auto unterwegs sind um zumindest die Hauptstadt zu erreichen. Die Mombasa Road ist einer der gefährlichsten Straßen der Welt, ich kann es kaum in Worte fassen, wie es dort teilweise zugeht. Ich setze mich meist hinten rein und bete und hoffe, dass wir so schnell wie möglich ohne Zwischenfälle in Bungoma ankommen. Nach so langer Zeit hatten wir uns natürlich wieder jede Menge zu erzählen. Ich war vor allem nach dem Tag in Schweigekloster in großer Redelaune. 😉 Der üble Benzingeruch auf den Straßen und die aufregenden Überholmanöver zwangen uns regelmäßig zu stoppen; Zigarettenpausen hatte ich mir verkniffen, da meine Angst ich würde sofort in die Luft gehen, mich überwältigten. Nach anstrengenden 11 Stunden haben wir Bungoma, also die Hauptstadt Bungoma City, erreicht. Ich hatte zu Beginn ein Apartment in Bungoma City. Von dort aus sind es ca. 1 bis 1,5 Stunden in den Busch, in das Dorf Khelela. Es war bereits stockdunkel und ich war unendlich müde, aber das hielt mich nicht davon ab an diesem Abend noch nach Khelela zu fahren um endlich meine Kids und die Familie Mayoye zu besuchen. Die Familie steht mir mittlerweile sehr nahe. Die Eltern meines Partners vor Ort, Osborn, ist voll und ganz in unsere Arbeit involviert und unterstützen uns wo immer es nur geht. Die Herzlichkeit, die diese Familie ausstrahlt und wiedergibt hatte ich schon entgegengefiebert und der Empfang war sogar noch schöner als erwartet. Wir brachten Lebensmittel, wie Zucker, Maismehl, Öl und Milch mit und die Freude war unfassbar groß. Papa und Mama Mayoye bedankten sich mit einem rührenden Gebet und anschließend mit seinen Geschichten als Lehrer und Priester und deren pure Lebensfreude.

 

Nachdem wir uns alle begrüßten hatten und selbstverständlich gekocht und gegessen wurde, ging es für mich erstmal zurück in die „Stadt“.  Im Auto mit Christine im Arm, war ich so ziemlich die glücklichste Person auf Erden in diesem Moment. Sie schlief schnell ein (…ein Rätsel auf diesen Straßen 😉). In der Stadt angekommen, wachte sie auf und sagte lachend, als wäre es ihr jetzt erst bewusst geworden, dass ich tatsächlich zurück bin, „Mummy is back“ und hörte gar nicht mehr auf zu lachen. Erst hier wurde mir bewusst, dass es keine Verständlichkeit für die Menschen dort war, dass ich tatsächlich zurückgekommen bin. Etwas, das den Menschen dort nur zu oft wiederfahren ist.

 

Das Wort „Mummy“ war für mich im ersten Moment etwas schockierend bzw. kam völlig überraschend.  Ich war lange Zeit weg und Osborn redete viel mit ihr über mich, aber diese Zuneigung die Chrissi in dieser Zeit zu mir aufbaute, war mir einfach nicht bewusst. Es ist eine andere Welt, die Kinder haben selten einen Bezug zu dem Elternteil und sehnen sich ganz natürlich nach einer Mutter.  Nichts desto trotz, war es für mich ein neues Gefühl und brachte die Erkenntnis hervor, dass ich mein Versprechen ihr gegenüber ernst zu nehmen habe und ich für sie jemand war, dem sie völlig blind vertraute. Das ist es, was die Arbeit vor Ort ausmacht. Das sollte und wird hoffentlich durch Unterstützung auch weiterhin mein Fokus sein, und das Ziel viel Zeit vor Ort zu verbringen. Die meisten Kinder in Kenia wachsen, abgesehen davon, völlig anders als unsere Kinder hier in Österreich auf und sind in den täglichen teilweise mühsamen Alltagsarbeiten voll eingebunden. Eine schwache Mutter und eine weitentfernte Wasserstelle nimmt einem Kind dort schon die Möglichkeit weg, eine Schule überhaupt besuchen zu können. Einer der wenigen Gründe auf Bildung verzichten zu müssen. Kinder sind hauptsächlich eine Altersvorsorge und unabkömmlich für die Hilfe den Alltag auch im fortgeschrittenen Alter zu bewältigen. Die Kinder sind allerdings unsere Hoffnung für morgen. Hier sind wir bedacht, sehr einfühlsam zu arbeiten.

 

 

 

Was konnten wir nach der Gründung von Tumaini Outreach Kenya in 8 Monaten erreichen und umsetzen?

 

 

Im Dezember 2017 durfte ich im Rahmen einer Benefits - Veranstaltung von „Johanns Erben“ in Kirchberg und durch Unterstützung von Anna-Maria Hetzenauer in der arena365 einen 1-stündigen Vortrag über Tumaini Outreach Kenya halten. Zu dieser Zeit war mir es mir wichtig auf die Missstände in Kenia aufmerksam zu machen, und vor allem meine Gedanken über die klassische Entwicklungshilfe näherzubringen. Die Besucheranzahl war überschaubar aber nichts desto trotz hat sich meine Arbeit in Kenia schnell rumgesprochen. Von diesem Zeitpunkt an und durch persönliche Spendenaktionen, Mitgliedsbeiträgen und Social Media Challenges konnte bis Anfang Juni 2018 eine Gesamtsumme von € 1.562,00 erreicht werden.

 

 

 

Die Summe von € 1.000,00 wurde als Anzahlung für das Grundstück geleistet. Wir haben uns vor Ort darauf „geeinigt“, dass wir mit einer weiteren Summe von € 4.500,00 bereits den ersten „Acre“ kaufen und nutzen können. Das Grundstück ist mehrere Hektar groß und steht gänzlich zum Verkauf. Die Armut ist in diesem Gebiet so groß, dass sich die Landbesitzer eher vom schnellen Geld locken lassen. Ein Großkonzern bietet natürlich mehr als wir, aber nach stundenlangen Gesprächen, konnten wir ihn davon überzeugen, dass unsere Investition auf lange Sicht das Dorf nachhaltig verändern kann und die Auswirkungen der Großkonzerne ist in Kenia auch nicht unbekannt. Aber in der Not denkt man kaum an die Nebenwirkungen, bis sie dann da sind und es nicht mehr zurückzunehmen ist. Wir bleiben weiterhin dran, das Grundstück baldmöglichst zu kaufen um anschließend für das Wasserprojekt sorgen zu können. Nach wie vor ist die Situation mit dem Wasser ein großes Problem in der Umgebung. Die Primary School in Khelela konnte den Brunnen wieder funktionstüchtig machen, aber das Wasser ist knapp. Die Bohrung auch viel zu niedrig und reicht maximal für eine einzige Klasse.  Man könnte so viele Krankheiten vermeiden, Leiden mindern und so viele unsinnige Tode, hätte man nur einen Zugang zu sauberem Wasser. Unser Projekt ist somit noch immer ein großes Anliegen für das gesamte Dorf Khelela. Ebenfalls die Beschaffung von Nahrung, Lebensmittel, ist ein endloser Teufelskreis. Mit dem Grundstück und dem Garten- Landwirtschaftsprojekt kann man selbst für viele Dinge sorgen. Die Menschen sind mehr als motiviert, egal welche Aufgabe zu übernehmen, um die Familie damit versorgen zu können, sich gesund zu halten und nicht nur das, sondern ein eigenes Einkommen zu sichern.

 

 

 

Neben diesem Projekt sind wir als Organisation bemüht, Kindern ein selbstbestimmtes Leben und eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Kinder vor Kinderehen und meist damit verbundenen Folgen sich einer Genitalverstümmelung unterziehen zu müssen, zu schützen. Die Kinder vor dem Betteln auf der Straße schützen; es ist nicht nur das Problem, dass die Kinder somit die Schule versäumen. Es ist die Tatsache was diese Kinder auf der Straße ertragen müssen. Ich hatte am ersten Tag in Bungoma eine so furchtbar traurige Begegnung mit einem Straßenjungen der nicht älter als höchstens 11 Jahre alt war. Ich konnte kaum fassen, in welch einem Zustand dieser Junge vor dem Supermarkt stand.  Alle Kinder sollten Zugang zur Bildung haben. Dies in Würde. Ich spreche hier von alltäglichem, von ausreichender Nahrung um den geistigen Anforderungen standzuhalten, von sauberer Kleidung und gesund! All diese Dinge zusammen sind nicht immer gegeben. Kinder deren Schulgebühr bezahlt wird, aber tagelang nichts gegessen haben; Kinder deren Schulgebühr bezahlt ist, diese aber keine Uniform mehr besitzen und dadurch der Schule verwiesen werden. Oder auch wegen ständiger Krankheit, Würmer, Malaria die Schule dauernd unterbrechen zu müssen. Bei den Mädchen reicht die monatliche Menstruation, die es ihnen nicht ermöglicht die Schule zu besuchen. Es ist mir persönlich sehr wichtig, dass die Kinder, die durch unsere Organisation unterstützt werden, auch rundum unterstützt werden. Oft wird nur auf einen Faktor gezielt hingearbeitet und andere Faktoren, die meiner Meinung nach eine gleich große Rolle spielen, vergessen und so beginnt der Kreislauf des meist Unlösbaren.

 

In diesen Tagen konnte ich Dank Euch und Eurer Unterstützung mit den restlichen Spenden von € 562,-, 12 Kindern einen Start in eine neue Zukunft ermöglichen. So etwas zu erleben, kann ich nicht in Worte fassen. Es ist unmöglich zu beschreiben, was man in solchen Momenten fühlt. Ich wünschte mir, dass alle die mich hier ständig begleiten, dieses Erlebnis mit mir teilen hätten können. Ich kann diese Gefühle nicht im Entferntesten niederschreiben.

 

Osborn hatte hervorragende Vorarbeit geleistet, ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen in dieser kurzen Zeit so viel umzusetzen. An dieser Stelle möchte ich gerne etwas sehr Wichtiges erwähnen. Mir als Gründerin und Obfrau von Tumaini Outreach Kenya ist Arbeiten auf Augenhöhe sehr wichtig. Osborn, als meinen Partner vor Ort, voll und ganz in die Arbeit miteinzubeziehen, gehört für mich dazu. Ich habe durch Gespräche mit Betroffenen wiederholt gehört, dass sie sich oft nutzlos und hilflos fühlen. Gerne wären die Menschen mehr involviert und möchten auch Teil der Veränderung sein, vor allem während des Prozesses. Nur so können sie auch eigene Ideen miteinbringen und uns dabei erklären, warum und weshalb es vielleicht so sein sollte und nicht wie ursprünglich von mir gedacht und geplant, verbunden mit ihrer Einstellung und deren Kultur und Achtung vor dem Herrn. Es ist oft nicht einfach für mich. Das Verständnis von vielen Dingen und Ansichten ist grundverschieden, aber alles wird ausgiebig besprochen und reflektiert und gemeinsam diskutiert. Unsere Philosophie: auf Augenhöhe und Respekt, Gemeinsam. Einfach ist das wirklich nicht, ich gehe oft von meinen Ansichten aus und vergesse oft, dass unsere Denkweise, unser Leben unsere Ansichten teilweise so grundverschieden sind. Aber niemals würde das ein Grund sein, die Menschen vor Ort nicht einzubeziehen, weil es vielleicht oft anstrengend ist und ich heut schon mit 37 Jahren mehr graue Haare habe als jemals zuvor. Es ist einfach richtig und wir sind alle gleich und warum sollten sie nicht von mir lernen, wenn ich doch so viel von ihnen lernen kann. Nichts ist einfach, also warum soll Entwicklungszusammenarbeit leicht sein.

 

 

 

Die Kinder die durch Tumaini Outreach Kenya ab sofort unterstützt werden

 

 

Wenn eine Wunde heilen soll, dann höre auf, sie immer wieder zu berühren

 

 

Maggie, Christine, Lydia, Titus, Peter, Ian, Kevin, Rose, Maxwell, Shadrack, Brendon, Isaac sind nun Teil des Programms von Tumaini Outreach Kenya.

 

Maggie ist 17 Jahre jung, sie verlor früh ihre Eltern. Sie besucht die High-School und sollte nun eine Krankenschwesterschule besuchen. Ihre Noten sind sehr gut, sie ist ein Mädchen mit so viel Kraft und Energie, trotz allem was ihr in ihrem jungen Leben bereits wiederfuhr. Wenn sie lacht geht wahrhaftig die Sonne auf. Ich habe knapp 2 Tage mit ihr verbracht und wir wurden richtige Freundinnen. Ich versuche zu den Kids und den Jugendlichen eine sehr persönliche Verbindung aufzubauen. Ich möchte, dass sie mir vertrauen und ich so mein bestmögliches für eine gute Zukunft geben kann. Nur wenn wir ihre Wünsche respektieren und ihnen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben, können sie sich frei entfalten und ebenfalls einen Teil dazu beitragen die Welt zu verändern. Sie hat so viele Träume und möchte ihr Glück teilen und glaubt so sehr an eine bessere Welt. Ich wüsste nicht, was mit ihr passiert wäre, wenn Osborn und seine Familie sie nicht nach dem Tod ihrer Eltern, aufgenommen hätten. Ich kann es mir vorstellen, aber möchte es in diesem Moment nie wahrhaben. Wir haben die Schulgebühr bis Ende des Jahres für sie geleistet. Wir haben gemeinsam neue Schuhe für die Schule gekauft; neue Hefte, Schreibwaren, Bücher, bisschen Kleidung und, Ja kaum vorstellbar für uns, Seife, Hygieneartikel, sogar Toilettenpapier besaß sie keins (In den Schulen gibt es diese so gut wie nie).

 

Wie erwähnt lebt sie bei Osborns Familie. Diese Familie hat ständig Kinder, Lehrkräfte, die in der Nähe ihr Praktikum ausführen wollen/sollten und kein Geld für eine Unterkunft haben, alleinerziehende Frauen samt Kinder, Handwerker die bereitwillig für Unterkunft und Kost am Haus und Grundstück mitarbeiteten, überall auf deren Grundstück, in einer der Häuschen deren Söhne, untergebracht.  Man kann es sich fast wie ein familiäres Auffanglager für verloren geglaubte Seelen betrachten. Krass ausgedrückt, aber was anderes sehe ich nicht. Alle möglichen Menschen, jeden Alters, mit verschiedensten Geschichten und Hintergründe fanden hier irgendwann ein zu Hause. Die Familie bindet jeden einzelnen ein und die Familie wächst stetig. Wenn einer geht dauert es nicht lang bis die nächsten kommen. Das könnte ich mir hier niemals vorstellen. Die Vorstellung wie manche hier bei uns reagieren würden, wenn man plötzlich vor der Tür steht und mal um Unterkunft und Kost fragt. Das ist Afrika, das ist Kenia. Das ist Menschlichkeit. Das ist Zusammenhalt. Eine Lehre für mich, die mich täglich prägt und oft demütig sein lässt, vor allem in unserer wunderschönen Scheinwelt hier, mit welcher ich ganz ehrlich von Tag zu Tag mehr zu kämpfen habe.

 

 

 

Auch die 4 Jungs Maxwell, Shadrack, Brendon, Isaac sind von einer der Frauen die bei der Familie Mayoye ein zu Hause gefunden haben. Alle vier besuchen nun die Schule und haben jeweils eine neue Uniform erhalten. Die Schulgebühr aller Kinder wurde bis Ende des Jahres 2018 bezahlt.

 

 

 

Rosi, hach Rosi, ist ein so wunderschönes Mädchen. Sie ist wahnsinnig schüchtern und hat leider auch mit mir die ganze Zeit über nie gesprochen. Leise flüsterte sie es den anderen Mädchen ins Ohr, wenn ich Fragen hatte. Das erste was mir auffiel waren die Würmer (Ringwürmer) auf ihrem Kopf. Sie sprang irgendwann in der Zeit als ich in Bungoma in unser Auto. Sie erkannte Osborn wohl, denn Autos fahren im Busch eher selten, da ist das Aufsehen immer sehr groß, wenn wir mal so um die Ecke kommen. 😉 Sie saß da nun, also auf meinem Schoß, und ich konnte meine Augen nicht von ihrem Kopf abwenden. Alles bewegte sich. Alle die mich kennen, wissen, dass ich da eigentlich ehrlich etwas schlecht aufgestellt bin, aber zu diesem Zeitpunkt dachte ich nur, oh mein Gott, Würmer. Würmer unter der Haut dieses Mädchens. Das geht doch nicht. Angekommen zu Hause machten wir uns also an die Arbeit. Würmer aller Art, Sandflöhe sind allgemein ein großes Problem durch die Verschmutzung und die fehlende Hygiene.  Rosi wurde demnach auch eingeschult, wir konnten eine neue Uniform besorgen und dafür gesorgt, dass sie auch zu Hause besser versorgt ist. Osborn wohnt und ist meist vor Ort und schaut regemäßig zu den Familien, besucht sie, redet mit ihnen gemeinsam und sorgt dafür, dass es ihnen allen gut geht.

 

 

 

Ähnlich ist es bei Chrissi´s Geschwister. Lydia, Titus und Peter sind Geschwister unserer Christine, die ebenfalls von Osborns Familie aufgenommen wurde, nachdem man sie halbtot ausgesetzt, aufgefunden hatte. Das hört sich so unglaublich an. Es ist aber Tatsache. Kinder, die man nicht mehr ernähren kann, oder schwerkrank sind werden früher oder später ausgesetzt und deren Schicksal überlassen. Wie der Besuch bei ihren Eltern war? Ich kann meine Gefühle auch hier kaum beschreiben. Es war der letzte Tag meines Aufenthalts in Khelela als ich darauf bestand (wirklich ernsthaft darauf bestand) die Eltern von Chrissi, Lydia, Titus und Peter zu besuchen. Noch mehr lag mir daran, als ich erfuhr es gäbe noch eine jüngere Schwester namens Sara, 4 Jahre alt, gab.  Der Besuch hing mir tagelang nach. Chrissi kam mit uns mit. Mir wurde so übel bei dem Gedanken, dass die Mutter ihr eigenes Kind ausgesetzt hatte und wir sie nun gemeinsam besuchten. Ich wusste nicht wie ich reagieren soll oder überhaupt was ich sagen sollte. Ich sagte mir immer wieder, du bist und warst niemals in dieser Situation. Verurteile sie nicht. Du kennst es nicht. Du kennst diese Art von Leben nicht. Die Mutter war lange weg und nun wieder zurück. Eine Situation über die ich bis dahin nie nachgedacht hatte. Es ist ein Teil meiner Arbeit mit den Menschen zu sprechen die in diesem Projekt irgendwie involviert sind und Chrissi war nun mal ihre Tochter, ihr eigenes Fleisch und Blut und es gab immerhin noch weitere davon. Was passierte mit den Geschwistern? Wie leben sie? Ich musste das einfach wissen. Die Mutter sprach kaum. Sie konnte mir einfach nicht in die Augen schauen und alles was ich sah war pure Gebrochenheit. Sie hatte einen wirklich unglaublichen schmerzvollen Gesichtsausdruck und ihre Augen waren einfach nur traurig. Sie schaute nur auf ihre Hände und immer wieder hörte ich ein leises „Danke“. Das war absolut nicht das, was ich hören wollte, aber ich hätte nie etwas gesagt und sprach also mit dem Vater der Kinder. Er erzählte mir deren Umstände und ich hörte mir alles in Ruhe an. Wir sahen uns in dem „Haus“ um und einigten uns darauf, dass wir nun alle Kinder, also neben Chrissi die bereits bei der Familie Mayoye wohnte und die Schule besuchte, ebenfalls den Schulbesuch zu ermöglichen und sorgten dafür, dass sie ausreichend abgesichert sind bis zum Ende des Jahres. Der Vater wird in Zukunft einer der ersten sein, der uns bei unserem Landwirtschaftsprojekt voll unterstützt. Für ihn würde ein Traum in Erfüllung gehen, sagte er. Er hat so viele Ideen und kann es kaum erwarten anzufangen. Es liegt hier nicht an fehlendem Willen, sondern an den fehlenden Möglichkeiten. Es gibt rundum einfach nichts. Gar nichts. Die Kinder schlafen auf dem kalten Boden. Es gibt keinerlei Schutz vor Krankheiten, sprich, Moskitonetz, kein sauberes Wasser. Das Essen wird tagtäglich irgendwie besorgt.

 

Alltag für die meisten Bewohner in Khelela.

 

 

Nun sind da noch Kevin und Ian. Kevin 8 Jahre und Ian 14 Jahre alt. Diese Geschichte war und ist teilweise bis heute noch schwer für mich zu verarbeiten. Kevin und Ian lebten seit über einem Jahr allein. Allein in einem Dorf irgendwo 3 Stunden von Bungoma entfernt bei Kisumu. Über Bekannte, Verwandte und Freunde erfuhr Osborn von den beiden Jungs. Die Mutter war an Krebs verstorben und der Vater gab den beiden Jungs die Schuld dafür. Schlechter Einfluss, seine Söhne hätte die Mutter vergiftet und sie somit getötet. Auch das ist in vielen Teilen in Afrika ganz „normal“. Meistens werden sie als „Hexenkinder“ beschuldigt. Sie hätten das Böse in sich. Denn wer sonst soll daran schuld sein. Der Vater lies somit die beiden Jungs hinter sich und überlies sie deren Schicksal. Beide traumatisiert von den Geschehnissen, beide waren bis zum Ende bei der Mutter und pflegten sie bis zum Tod, zu Hause! Und dann, von heute auf morgen alles verloren und blieben einfach zurück. Allein.

 

Ich wollte unbedingt dorthin und die beiden Jungs so schnell wie möglich nach Khelela holen. Wir hatten eine Familie gefunden, bei denen die beiden bleiben und aufwachsen könnten. Also war der Plan Kevin und Ian auf dem Weg zurück nach Nairobi und kleineren Umwegen zu besuchen und ihnen mitzuteilen, dass wir ein Zuhause für die beiden haben und Osborn sie einige Tage später auf dem Weg wieder zurück nach Bungoma mitnehmen würde. Auch, dass beide wieder die Schule besuchen könnten und nicht mehr täglich mit, welchen Arbeiten auch immer, auf der Straße Geld zum Überleben verdienen müssen. Dieser Besuch war so unrealistisch und so furchterregend. Ich hatte, ohne übertreiben zu wollen, solche Angst und war die ersten Minuten nach Ankunft dermaßen überzeugt, diesen Abend oder diese Nacht nicht zu überleben. Ich hatte alle möglichen Szenarien im Kopf und flehte Osborn an diesen Ort sofort mit den Jungs zu verlassen und keine Minute länger mehr dort als notwendig zu verbringen. Nun ja, wie sollte es auch anders sein, als, dass unser Auto natürlich genau dort wieder seinen Geist aufgab. Uns wurde sofort eine Unterkunft angeboten. Ich kann mich noch so gut an den Atem des merkwürdigen Typen erinnern, der so stark nach Alkohol roch. Sofort wusste ich, dass dies kein guter Ort für uns war. Alkohol und Zigaretten waren ein Zeichen dafür, dass es dort eher ruppiger zugeht. Notgedrungen mussten wir also das Angebot annehmen und auf Hilfe warten bzw. irgendjemanden der uns das Auto wieder fahrtüchtig machte.

 

Der ganze Abend bzw. die ganze Nacht war einfach nur schrecklich. Ich hatte solchen Durst und Kopfschmerzen und musste ständig die beiden Jungs ansehen und fragte mich unaufhörlich wie sie das letzte Jahr in dieser Gegend wohl gelebt haben. Es stellte sich heraus, dass die Menschen es zwar mit den Gesetzen nicht allzu ernst nahmen und auf eher illegale Weise ihr Geld machten, aber sie waren nett und meistens höflich zu uns. Es gab hier und da Situationen als ich dachte, es würde jetzt brenzlig und gab Osborn ab und an mal einen dezenten Stoß auf die Schulter oder versuchte mit Grimassen ihn zu stoppen. Er hatte irgendwie weniger Erfahrung damit mit betrunkenen Menschen zu diskutieren als ich. Ich nahm also irgendwann das Ruder in die Hand, erklärte den Männern, dass wir uns nicht einmischen wollen, aber die Jungs beide gerne mitnehmen würden in unsere Gegend da wir auch eine Familie gefunden hatten und beide die Möglichkeit haben, dort die Schule zu besuchen. Papiere wurden bereits vor Wochen in Nairobi besorgt und wir hatten ausdrücklich die Erlaubnis Ian und Kevin mitzunehmen. Keine Ahnung wie und warum, aber wir schlossen an diesem Abend tatsächlich noch Freundschaft. Ob ich die Menschen dort unbedingt wiedersehen möchte, lass ich hier mal im Raum stehen. Ian und Kevin wurden 3 Tage später von Osborn abgeholt und leben seither in Khelela. Für beide Jungs suchen wir unter anderem noch dringend Sponsoren. Beide besuchen nun die Schule, Ian sollte die High – School besuchen, bräuchte immer noch dringend eine Operation und womöglich dauerhafte medizinische Versorgung.

 

 

 

 

 

Neben unseren wundervollen 12 Kindern, konnte ich mit großzügigen Sachspenden von Isabella Scholze (meine absolute Lieblingskosmetikerin 😉) und ganz tollen Kleidern von unserer kleinen Ella aus Kirchberg das Waisenhaus mit 34 Mädchen, die ebenfalls aus Ehen oder vor FGM gerettet wurden, besuchen. Ich bin nach wie vor von den Zuständen in einigen Häusern entsetzt und es war mir eine pure Freude die Kids mit Hygieneartikel aller Art, Stofftieren, Hefte, Stifte und den wunderschönen Kleidern so glücklich zu sehen. Ich verbrachte einen Abend mit den Mädchen; durfte sie ins Bett bringen. Alle 34, da gehts rund. Es ist immer wieder ein überwältigendes Gefühl mit diesen Mädchen Zeit zu verbringen, weil sie einem so viel geben. Dieses Lachen und diese Herzlichkeit. Unbezahlbar.

 

Vier von den Mädchen waren an Malaria erkrankt, und doch so stark, dass ich es wieder mal nicht fassen konnte. Es gab kein Geld für Medikamente. Es gab ja auch kaum Schutz vor Moskitos. Ein Moskito Netz kann man umgerechnet für € 5,- kaufen. Es gibt einfach nie genügend Geld. Selbst die Lebensmittel werden spätestens nach Mitte des Monats knapp.  

 

2 Wochen nach meiner Rückkehr aus Kenia starb eines der Mädchen. 15 Jahre jung. Sie hatte starke Mangelerscheinungen. Vitamine und die Medizin die Osborn noch besorgte hat, haben offensichtlich nicht ausgereicht. Man kann bis heute nicht 100% bestätigen, was die Diagnose bzw. der Auslöser für diesen schnellen Tod war. Die medizinische Versorgung in Bungoma ist sehr schlecht. Für uns, meiner Meinung nach, kaum vorstellbar, dass es heute bei den Möglichkeiten und Vielfalt in der Medizin, noch so schlecht ausgestattete Krankenhäuser oder Ärzte gibt.

 

 

 

Auch die 11 „Großen“ in Busia wollte ich diesmal überraschen. Die Kids hatte ich letztes Jahr besucht und die Schulgebühren werden von meinem Partner Osborn getätigt. Die Anzahl der Highschool in Kenia ist überschaubar. Meistens sind es Internate.  Alle 11 kommen aus dem Dorf Khelela und werden regelmäßig in das Internat gebracht und verbringen die Ferien 3x 1 Monat im Jahr, in Khelela. Haben sie kein Zuhause, wohnen natürlich auch diese Kinder, soweit es geht, bei der Familie Mayoye. Die Kids haben mir letztes Jahr ihre Herausforderungen im Leben mitgeteilt. Ich habe im 1. Blog darüber berichtet. Also brachten wir allen Hygieneartikel, Waschmittel, Schulsachen und alles was Kids in diesem Alter wirklich benötigen mit. Ich habe an diesem Abend ehrlich Rotz und Wasser geheult, weil ich diese Freude und Dankbarkeit wirklich nicht verstehen konnte. Wie konnte es sein, dass man dort Jugendlichen mit Toilettenpapier, Waschmittel und Schulsachen so eine unglaubliche und ehrliche Freude bereiten konnte. Ich brauche mir nur vorzustellen, wie man bei uns reagieren würde. Das ist etwas, dass ich immer schwer verarbeiten kann. Eine solch unglaubliche Ungleichheit und Ungerechtigkeit kann man kaum verstehen.  Ich verabschiedete mich nach einigen 4 Augen Gesprächen mit den Mädels, schweren Herzens von allen.

 

Ich kann unmöglich alle Eindrücke und Erlebnisse oder Gespräche in einem Bericht verfassen. Ich verspreche somit auch, diesmal wirklich 😉, in naher Zukunft Vlogs zu erstellen. Geht auch schneller als lesen. 😉  

 

Ich möchte mich bei ALLEN wirklich allen Unterstützer von ganzem Herzen bedanken. Ohne Euch könnte ich all diese Dinge nicht umsetzen. Ich hoffe, dass wir noch lange nicht am Ende sind. Wir haben so unglaublich viel geplant und hoffen, alle Projekte wirklich umsetzen zu können, um auch nachhaltig etwas zu verändern und auf diese Weise, bin ich mir zu 100% sicher, dass es zu schaffen ist. Ob es die Geburtenkontrolle, Bildung, medizinische Einrichtungen, Aufklärung - Empowerment, Eigenversorgung, wirtschaftsorientierte Projekte sind, all diese Ansätze, die wir mitbringen können, sollen dazu führen, das Konzept „Hilfe zur Selbsthilfe“ strukturiert und nachhaltig aufzubauen und möchten für die Menschen vor Ort auch immer zugänglich sein.

 

 

 

Rückblickend Gedanken meinerseits und zum Teil Notizen aus meinen täglichen Aufzeichnungen während der Reise

 

 

 

17.06.2018

 

Es ist Sonntag, spät Nachmittag. Wir sind zurück aus Bungoma, zurück in Nairobi. Mir ist immer noch übel. Der Gestank in der City ist unerträglich, es riecht so schlimm, dass ich mir manchmal wünschte, ich müsste einfach nicht atmen. Egal ob durch die Nase oder den Mund, man riecht und schmeckt diesen Schmutz und diesen Dreck. Monatelang hat es geregnet. Müll und Dreck sammelte sich an den Straßen entlang.  Regen den wir in Bungoma mehr als dringend bräuchten, gab es hier in Nairobi. Stündlich musste ich mich aufgrund dessen übergeben. Wahrscheinlich ist es auch die Müdigkeit und ich bin ausgelaugt. Mein Kopf schwappt fast über. So viele Gedanken kreisen in meinem Kopf. Ich verstehe es einfach nicht mehr. Ich verspreche hiermit ich werde mich über nichts mehr aufregen, wenn es nicht sein muss. Ich verspreche genügsamer zu werden. Ich verspreche mein Leben zu würdigen und meine Möglichkeiten, die ich habe zu würdigen und auszuschöpfen. Ich werde stets mein bestes geben.

 

 

 

Ist es denn fair, wenn Menschen und Kinder im 21. Jahrhundert noch unter solchen Bedingungen leben müssen? Ist es fair zu sagen, dass die Afrikaner doch alle selbst schuld sind an der heutigen Situation? Ist es fair zu sagen, die Afrikaner wären doch alle zu dumm und zu faul etwas aus ihrem Land und ihrem Leben zu machen? All diese Anschuldigungen lese ich täglich. In Gesprächen, im Netz überall hören wir oder lesen diese Dinge. Wir leben in einer Zeit voller Angst und viele hören plötzlich auf über den Tellerrand zu schauen. Viele sind so auf sich fixiert und agieren meiner Meinung nach, aus Angst. Was kann die Angst aus einem Menschen machen? Wir alle wissen nur zu gut, zu was wir Menschen fähig sind. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt rapide zu einem furchterregenden Umfeld entwickelt. Baustellen wo man nur hinsieht. Wir hier leben wirklich noch in einer Welt, in der es uns vielleicht nervt, wenn Montag früh der Wecker klingelt und womöglich auch noch fluchen, weil kein Kaffee im Haus ist oder der Schuh schief steht. Hadern mit unserem Alltag, unserer Gesellschaft, mit dem was andere von einem erwarten um dazuzugehören. Ich war eine davon.

 

Auf der anderen Seite entwickelt sich eine unvorstellbar grausame Brutalität zur Normalität. Krieg, Gewalt, Folter, Menschenhandel, Flucht, Menschen die Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben locken und dabei noch Geld verdienen und nicht mal davor zurückschrecken Frauen und Kinder in ein Boot zu setzen mit der Gewissheit, dass sie es womöglich nicht lebend schaffen werden.  Wir sehen einen Bruchteil davon was wirklich passiert und viele von uns können es sich nicht mal in den schlimmsten Albträumen vorstellen, was diesen Menschen teilweise widerfährt. Gerade in dieser Hinsicht, wird meiner Meinung nach, viel zu viel in einen Topf geworfen und keinerlei Unterschied mehr gemacht. Die Lösung ist es für Frieden und Würde in jedem Land zu sorgen um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Es wäre nicht unsere Aufgabe, bekomme ich dann oft zu hören. Nein? Wirklich nicht? Haben wir es uns ausgesucht wo wir geboren werden? Ist es nicht einfach nur Glück, dass wir die Privilegien haben, die wir haben? Ich glaube es ist höchste Zeit, dass wir alle auf unsere Art und Weise, sich den Problemen, die wir in dieser Welt heute haben, stellen sollten. Es ist völlig egal, ob es sich um die Armut handelt, die stetig weiter ansteigt; die Korruption in Teilen unserer Welt, die so offensichtlich herrscht und keiner der die Macht oder die Möglichkeit besitzt, einzugreifen scheint. Unsere Natur, die tagtäglich regelrecht vergewaltigt und zerstört wird, Tiere von Menschen bedroht, gequält werden und ja, sogar vom Aussterben bedroht sind; ein Netzwerk, welches uns alle trägt. Kriege werden gefördert anstatt für Frieden zu stehen. Wir reden und posten ohne vorher darüber nachzudenken, über welches Leben wir in diesem Moment urteilen. Jeder einzelne von uns hat die Möglichkeit in seinem Leben und seinem Alltag gemeinsam mit seinen Kindern und der Familie etwas dazu beizutragen die Welt wieder zu dem zu machen wie sie sein sollte. Gleiche Chance für jeden. Wir sollten nie vergessen, dass auch wir alle nur zu Besuch auf Erden sind. Nichts ist für immer.  Wir sollten diesen Besuch würdigen und diesen Ort mit gutem Gewissen und rein wieder verlassen. Und, ja wirklich jeder von uns kann dazu beitragen, dafür muss man nicht ans andere der Welt reisen. Alle, wir alle haben es in der Hand etwas zu verändern. Gemeinsam.

 

Meinen Teil, den ich persönlich beitragen werde und den Weg, den ich eingeschlagen habe, habe ich erst nach unglaublich langer Zeit, einer Zeit voller Verzweiflung und einer gefühlten endlosen Suche nach dem Sinn, gefunden. Normal war und ist mein Lebensweg von Anfang an nie gewesen, also war es für meine Familie nicht unbedingt eine große Überraschung, als ich eröffnete, dass ich mein Leben und meine Zukunft den Kindern in Afrika widmen möchte und fest daran glaube etwas verändern zu können. Mein Leben war oft wie eine Droge, eine die mich langsam aber sicher kaputt machte aber auch süchtig nach viel, viel mehr, machte. Ich stand mehr als nur einmal am Abgrund und sah mein Leben an mir vorbeiziehen und war innerlich am Ende angelangt was meiner anscheinend endlosen sinnlosen Suche nach dem Sinn meines Daseins anbelangte.

 

Jede Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe, darunter auch die schlechten, ergeben in der Summe das, der ich heute bin. Das definiert mich, das macht mich aus.

 

Ich konnte mir als kleines Mädchen schon vorstellen und träumte davon die „andere Welt“ die ich oft im Fernsehen sah, kennenzulernen. Ich wollte zu den Kindern, die so furchtbar hungerten und sie einfach in den Arm nehmen. Heute weiß ich, dass Menschlichkeit und die Leidenschaft für Menschen und Kultur eine große Rolle in der Entwicklungshilfe spielt und leider wird diese unabdingbare Wichtigkeit oft vergessen oder ignoriert. Es ist leider auch Profitboom und ein Wettbewerb unter Organisationen auf Kosten der Ärmsten geworden. Ich spreche hier nicht nur von unserer Seite, sondern auch auf afrikanischer Seite. Das ist der Grund, warum ich mich für diese unglaublich harte und schmerzhafte und zugleich wunderschöne Arbeit entschieden habe. Denn ich unterstütze ehrliche und direkte, effiziente und konstruktive Arbeit vor Ort und kann jederzeit mit meinem Team vor Ort, den Bewohnern und den Unterstützern gemeinsam entscheiden wo finanzielle Hilfe angebracht oder notwendig ist. Diese Arbeit hat nicht im Geringsten etwas mit „Gutmensch sein“ oder wie man uns heute so schimpft zu tun, sondern die Erkenntnis, dass es im Leben einfach noch mehr gibt und man etwas zurückgeben will. Es hat auch nichts mit „Schrei nach Aufmerksamkeit“ zu tun und auch kein Kopf streicheln benötige ich dafür. Ich mache es aus Überzeugung und weil das, und nur das, ich selber bin und ich selbst sein kann.

 

Ich möchte hier auch nochmal zum Ausdruck bringen, dass ich mich für dieses Leben entschieden habe und nicht behaupte oder Menschen dazu überreden möchte, dass jeder nach Afrika, Asien oder Südamerika reisen muss um etwas Gutes zu tun. Überhaupt nicht. Jeder kann auf seine eigene Art und Weise etwas beitragen.

 

 

Mutter Teresa sagte einst:

 

“If you want to bring happiness to the whole world, go home and love your family.”

 

 

 

Meine Familie ist in Afrika. Meine Familie ist das Leben dort, die Menschen, die Kultur, ich habe meine Zukunft und mein Ziel gefunden. Ich möchte Teil davon sein das Leben dort nachhaltig für die Menschen zu verbessern. Ich wünsche mir, dass meine Kinder, die ich dort wirklich von ganzem Herzen liebe, eine Zukunft haben. Eine Zukunft wie wir es uns für unsere Kinder hier zu Hause auch wünschen.

 

 

 

DANKE für eure Zeit die ihr euch für diesen Beitrag genommen habt.