Magdalena´s Geschichte

Im Juli 2019 fing alles an.

 

Wir hatten einige Monate davor mit unserem "Aufklärungsprojekt" begonnen. Catherine, eine Mitarbeiterin unseres Teams vor Ort, fuhr unermüdlich von Dorf zu Dorf und versuchte die Dorfältesten davon zu überzeugen, eine Zusammenkunft der Dorfbewohner zu erlauben. Catherine klärte die Menschen über ihre Rechte auf und bot den Familien Hilfe an. Sie spricht über das Verbot der Genitalverstümmelung und die Zwangsverheiratung der jungen Mädchen.

 

 

(Privatfoto)

Der Großteil der Menschen die der Volksgruppe der Maasai angehören, können weder lesen noch schreiben. Haben selten eine Schule von innen gesehen und kennen ihre Rechte nicht. Die Männer der Maasai sprechen für die Frauen und Mädchen. Es ist den Männern erlaubt polygam zu leben. Einzelne Männer haben bis zu 30 Frauen. Die Mädchen werden ab dem jungen Alter von 10 bis 12 Jahren zur Frau gemacht, indem man eine schreckliche Genitalverstümmelung (Typ 3) während einer mehrtägigen Feier an den Mädchen ausübt. Ohne Betäubungsmitte werden die inneren Schamlippen wie auch die Klitoris mit Rasierklingen oder ähnlichen scharfen Werkzeug entfernt und sodann wieder zugenäht, sodass ein klitzekleiner Punkt (nicht größer als die Fingerkuppe deines kleinen Fingers) offen bleibt. Nicht nur körperliche, sondern auch psychische Folgen bleiben meist nicht aus. In dieser Zeit bleiben die Mädchen mit verbundenen Beinen wochenlang oder auch monatelang liegen und werden von heiratswilligen Männern aufgesucht. Der Vater entscheidet wieviel das Mädchen wert ist und wird sohin an den bestbietenden "VERKAUFT". Eine unbeschnittene Frau wird von der Gesellschaft ausgeschlossen. Immer wieder flüchten junge Frauen und haben geringe Chancen zu überleben.

(Bilderquelle: NBC News)

Magdalena´s "Fest zur Frau" sollte letztes Jahr im November stattfinden. Sie wäre heute eines der vielen Opfer der Genitalverstümmelung und mit 15 Jahren bereits verheiratet.

 

Magdalena selbst war es allerdings nicht, die sich an uns gewandt hat. Ihre jüngere Schwester Silviah und ihre Freundin Emily wagten den Weg zurück zu Catherine und meldeten sich an um von uns Unterstützung zu erhalten. Sie wollten weiter in die Schule. Sie wollten nicht, wie die anderen Mädchen im Dorf, zu ihren Ehemänner ziehen.

 

Magdalena glaubte nicht an eine Veränderung. Sie hatte den Glauben und die Hoffnung für eine bessere Zukunft verloren. Sie hatte abgeschlossen.

 

 

"So viele waren schon hier und haben uns Hilfe versprochen. Niemand ist je zurückgekommen."

 

Schnell hatten wir Paten für Silviah und Emily gefunden. Einige Tage später besuchten beide wieder die Schule.

 

Meine Partner vor Ort, haben die Familien regelmäßig besucht und gemeinsam mit den Müttern von Silviah und Emily Pläne ausgearbeitet um das Leben tagtäglich bestreiten zu können. Es stellte sich heraus, dass beide je 9 und 10 Geschwister haben und der Vater jeweils noch mehrere Ehefrauen hat. Viele Kinder kamen zur Mittagszeit vorbei um festzustellen, dass kein Essen da war. Alle Familienmitglieder schliefen auf dem Boden und die Zustände waren verherrend. Die Mütter wurden selbst mit 14 Jahren verheiratet, hatten nie die Schule besucht und wussten definitiv nichts über ihre Rechte. Der Vater kam nur selten mal vorbei.

(Privatfoto)

Magdalena wurde offener. Sie erlebte eine grundlegende Veränderung und vertraute sich unseren Kollegen an.

 

Durch eine unerwartete Spende konnten wir nun auch Magdalena in der Schule anmelden. Sie holte den verpassten Schulstoff nach und hat ihr Examen im November erfolgreich abgeschlossen. 

 

Ihr Wesen hat sich in den letzten Monaten völlig verändert. Sie war völlig verängstigt, verloren und hoffnungslos. Wenn man sie heute sieht und mit ihr spricht, würde man es nicht glauben können.

Wir konnten ein Internat für sie finden um die High School zu besuchen. Dank der großzügigen Spender unserer Facebook Fundraisingaktion steht einer fundierten Ausbildung nichts mehr im Wege. Eine wahre Seltenheit bei den Mädchen der Maasai. Die Familien haben vor Freude getanzt und geweint. In den nächsten Tagen geht es los. Auch für uns ist es eine unglaublich schöne Entwicklung.

 

Der Vater hat sich ebenfalls völlig verändert. Er unterstützt nun die Familie und sieht ein, dass er zwar seinen Traditionen gefolgt ist, aber auch wie sehr er die Würde und Rechte seiner Töchter und Ehefrau verletzt hat. Ein Erfolg von dem wir nur träumen konnten.

(Privatfoto)

Wir konnten die Familien nicht nur bei der Unterstützung der Schulbildung der Mädchen helfen. Wir konnten einen kleinen Garten anlegen. Dieser wird durch die Facebook Fundraising Aktion nun auch erweitert. Auf lange Sicht gesehen, ist es die beste Investition.

 

Wir konnten Solarlichter an den Hütten anbringen, damit die Kinder am Abend ihre Hausaufgaben machen können.

 

Leben wurden gerettet. Leben haben sich verändert. Träume wurden wahr.

 

(Privatfoto)

Ohne die vielen Unterstützer, Mitglieder und Paten wäre all das nicht möglich. Dank EUCH konnte ich heute diesen BLOG verfassen und diese wundervolle Nachricht aufschreiben.

Dafür DANKE ich Euch allen. Ihr seid wahre Engel auf Erden. Wenn ich nur ansatzweise beschreiben könnte, wie glücklich mich diese Entwicklung macht.

Gott möge euch alle segnen und beschützen.

Eure Dani